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Zucker aus Rüben Entwicklung des österreichischen Rübenbaues Gründung des Rübenbauernbundes für NÖ und Wien 9. Juli 1905: Gründungsversammlung in Lassee, Gasthof „Zur Kaiserkrone“ Absturz im 1.Weltkrieg Gründung der anderen Landesverbände 1938 bis 1945, Rübenbauernbund „Niederdonau“ Der Wiederaufbau der österreichischen Zuckerwirtschaft Entschädigung für Vermögensverluste in der CSSR Es geht aufwärts! Überschussproduktion und Mengenkontingentierung Delegiertensystem Gründung der VÖR Gründung ZFI Verbesserung des Außenschutzes EWG-Zuckermarktordnung Zuckerkrise 1974/75 EUF reduziert Düngeaufwand Agro-Zucker Biosprit aus Rüben geplant Rationalisierung in der Zuckerwirtschaft Der Weg in die EU Südzucker beteiligt sich an Agrana Individuelle Bezahlung ab 1991 Beitrittsverhandlungen Österreichs mit der EG Ankauf und Restrukturierung des Rübenübernahmesystems Branchenvereinbarung Rübenbauernbund für NÖ und Wien feiert 90 Jahre Mechanisierung der Rübenproduktion
| Zucker aus Rüben |
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Der Apotheker und Chemiker Andreas Siegesmund Marggraf entdeckte in Berlin 1747, also vor rund 250 Jahren, den Zucker in der Runkelrübe. Die praktische Verwertung von Marggraf’s Entdeckung begann erst Ende des 18. Jahrhunderts durch Franz Karl Achard. Dieser pflanzte ab 1783 Runkelrüben an und errichtete 1801 in Cunern/Schlesien die erste Rübenzuckerfabrik der Welt, die im März 1802 den Betrieb aufnahm. Die Entdeckung des Rübenzuckers und seine wirtschaftliche Nutzung brachen das über Jahrhunderte marktbeherrschende Monopol des Kolonialzuckers aus Zuckerrohr. Auch verlor der Zucker seine Rolle als Luxusartikel und wurde allmählich zum Volksnahrungsmittel. |
| Entwicklung des österreichischen Rübenbaues |
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Der systematische Anbau und die industrielle Verarbeitung von Zuckerrüben setzten im Gebiet der österreichisch- ungarischen Monarchie Mitte des 19. Jahrhunderts durch den Bau von Zuckerfabriken ein:
- 1844 Gründung der Zuckerfabrik Dürnkrut
- 1852 Gründung der Siegendorfer Zuckerfabrik, Konrad Patzenhofers Söhne
- 1867 Hohenauer Zuckerfabrik, Brüder Strakosch
- 1867 Leipnik Lundenburger Zuckerfabriken Aktiengesellschaft
- 1901 Zuckerfabrik Leopoldsdorf, Dr. Richard von Skene
- 1910 Brucker Zuckerfabrik
- 1930 Ennser Zuckerfabrik
- 1938 Tullner Zuckerfabrik
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| Gründung des Rübenbauernbundes für NÖ und Wien |
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... Die Genossenschaft hat den Zweck, die niederösterreichischen Rübenbauern zu vereinigen, um mit vereinten Kräften die gemeinsamen Interessen wirksam zu fördern. Diesen Zweck wird die Genossenschaft mit allen gesetzlich zulässigen Mitteln zu erreichen suchen. ... |
| 9. Juli 1905: Gründungsversammlung in Lassee, Gasthof „Zur Kaiserkrone“ |
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Ca. 200 Landwirte hatten sich zur Gründungsversammlung eingefunden, der ehemalige Landtagsabgeordnete Johann Reckendorfer aus Breitensee wurde zum 1. Obmann gewählt, Stellvertreter waren Johann Kaiser aus Haringsee und Bgm. Josef Dünst aus Lassee. Die Rübenbauern hatten erkannt, dass sie nur ein Zusammenschluss zur Wahrung ihrer Interessen aus der Abhängigkeit von den Zuckerfabriken befreien konnte. Die junge Genossenschaft hatte allerdings keinen leichten Start, denn die Zuckerindustriellen standen dem neuen Widerpart mit Vorbehalten gegenüber. Die Bauern selbst mussten erst durch ausdauernde Aufklärungsarbeit von den Vorteilen des genossenschaftlichen Zusammenschlusses überzeugt werden.
Der Rübenbau war bis zu diesem Zeitpunkt fast ausschließlich den Gutsbetrieben vorbehalten und fand erst im Zuge der einsetzenden Kommasierung größere Verbreitung in den bäuerlichen Betrieben.
Trotz aller Widerstände wuchs der Rübenbauernbund noch vor Ausbruch des
1. Weltkrieges zu einer bedeutenden Vereinigung und zu einem Machtfaktor in der österreichischen Landwirtschaft. |
| Absturz im 1.Weltkrieg |
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Mit Beginn des 1. Weltkrieges wurde der Rübenanbau per Verordnung reduziert um Flächen für den Anbau dringend benötigter Feldfrüchte bereit zu stellen. Nach 1919 war die Zuckerwirtschaft im neuen Österreich nicht annähernd im Stande die Zuckerversorgung des Landes aus eigenem Rübenanbau zu decken. Die Hauptversorgungsgebiete in Böhmen, Mähren, Galizien, Ungarn und Siebenbürgen waren verloren gegangen; die Aufbauarbeit des Rübenbauernbundes war vom Krieg zunichte gemacht.
Ab 1934 war jedoch erstmalig die Selbstversorgung Österreichs mit Zucker gegeben. Auf einer Anbaufläche von 49.000 Hektar ernteten die Rübenanbauer und Gutsbetriebe 1.380.000 Tonnen Rüben, das entspricht einen Hektarertrag von 28 Tonnen. Aus den geernteten Rüben konnten 222.800 Tonnen Weißzucker gewonnen werden, das sind 4,5 Tonnen Weißzucker pro Hektar. |
| Gründung der anderen Landesverbände |
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Auf Initiative des Rübenbauernbundes für NÖ und Wien gründeten die burgenländischen Zuckerrübenanbauer im Juni 1928 den Burgenländischen Rübenbauernbund und am 19. Juni 1929 folgten die Oberösterreichischen Rübenbauern diesem Beispiel. |
| 1938 bis 1945, Rübenbauernbund „Niederdonau“ |
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Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland im Jahre 1938 setzten die neuen Machthaber die gewählten Funktionäre des Rübenbauernbundes ab und stellten die Genossenschaft unter kommissarische Leitung. Ein neuer Vorstand und Aufsichtsrat „durfte“ noch 1938 gewählt werden. Der burgenländische Rübenbauernverband musste seine Tätigkeit beenden, Vorstand und Aufsichtsrat wurden ihrer Ämter enthoben und der Verband wurde dem niederösterreichischen Rübenbauernbund einverleibt; der neue Name „Rübenbauernbund Niederdonau“.
Auch vor den Eigentumsverhältnissen der Zuckerfabriken machten politische Repression und Zwangswirtschaft nicht halt. 1938 mußten die Großaktionäre der Brucker Zuckerfabrik emigrieren und ihre Aktien an einen neuen, reichsdeutschen Eigentümer verkaufen. Die Hohenauer Fabrik fiel der Arisierung anheim.
Am 12.12.1938 wurde die „Landwirtschaftliche Zucker AG“ gegründet. Der Rübenbauernbund musste sich mit zunächst 100.000 Reichsmark an Aktienkapital beteiligen, denn die Landwirtschaftliche Zucker AG brauchte Geld zum Erwerb arisierter Zuckerfabriken wie zum Beispiel Hohenau. Auch die Tullner Zuckerfabrik wurde in die Landwirtschaftliche Zucker AG eingebracht, weiters Werke im Sudetenland wie Lundenburg, Porlitz, Grußbach und mährisch Chromau. Die Zwangsbeteiligung des Rübenbauernbundes Niederdonau wuchs durch zusätzliche Mitteleinbehalte der Rübenbauern in den Kampagnen 1938 bis 1940 auf 2,4 Mio. Reichsmark an, das waren 40 % des Aktienkapitals an der Landwirtschaftlichen Zucker AG.
1945 lag Österreichs Zuckerwirtschaft im wahrsten Sinne des Wortes in Schutt und Asche. Mit Ausnahme der Zuckerfabrik Enns waren alle Zuckerfabriken schwerst beschädigt und verfügten darüber hinaus über keinen Rohstoff. Lediglich Enns konnte knapp 50.000 Tonnen Rüben in einer 3-wöchigen Kampagne zu 6.700 Tonnen Weißzucker verarbeiten. |
| Der Wiederaufbau der österreichischen Zuckerwirtschaft |
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Rübenbau und Zuckerwirtschaft waren nahezu komplett zusammengebrochen. Die Zuckerfabriken, schwer beschädigt, wurden als deutsches Eigentum beschlagnahmt. Die Rückgabe von Zuckerfabriken an ihre früheren Besitzer und der Verlust der südmährischen Fabriken Lundenburg, Grußbach und Porlitz an die Tschechoslowakei bedeuteten für die Genossenschaft und die Rübenbauern praktisch einen Totalverlust aus ihren Zwangsfinanzengagement in der Landwirtschaftlichen Zucker AG.
Die ersten Aktivitäten des unter öffentlicher Verwaltung stehenden Rübenbauernbundes zielten auf die provisorische Instandsetzung von Übernahmsplätzen ab um die Lieferung von Zuckerrüben zu ermöglichen.
1947 fand die erste Vollversammlung des Rübenbauernbundes nach Kriegsende statt, der nach dem Krieg bestellte Verwalter Hans Eichinger wurde einstimmig zum Obmann gewählt. |
| Entschädigung für Vermögensverluste in der CSSR |
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Gemäß Entschädigungsgesetz der CSSR aus den Jahren 1975, 1979 und 1997 wurde dem Rübenbauernbund für NÖ und Wien „Entschädigungen“ für die Verluste der südmährischen Fabriken bezahlt, insgesamt rund ATS 850.000,00.
Die Restitutionsforderung seitens des Rübenbauernbundes wurde im Jahre 1975 gestellt. |
| Es geht aufwärts! |
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Ab 1950 begann sich der Rübenbau gezielt zu entwickeln, zum ersten Mal wurde mehr als 1 Mio. Tonnen Rüben geerntet. Als sich die Selbstversorgung Österreichs mit heimischen Zucker abzuzeichnen begann, erreichte die Zuckerwirtschaft, dass mit
1. Jänner 1953 der Zuckerzoll als Außenhandelsschutz wieder eingeführt wurde.
Die 6 Zuckerindustriefirmen mit ihren 7 Werken schlossen sich im Verband der Zuckerindustrie zusammen.
Die seit Kriegsende angewandte amtliche Preisregelung für Zucker erfasste sämtliche Handelsstufen für Zucker, sowie den Rübenpreis. Später leitete sich der Rübenpreis vom Zuckerfabriksabgabepreis formelmäßig ab. Erst Ende 1989 wurde die amtliche Preisregelung für den Fabriksabgabepreis aufgehoben. |
| Überschussproduktion und Mengenkontingentierung |
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Ende der 50-er Jahre begann die ständig steigende Überschussproduktion von Zucker Sorgen zu bereiten. Die Beschränkung des Rübenanbaues bot sich als Lösung des Problems an. Am 07. Jänner 1960 wurde zwischen den Rübenbauernorganisationen und dem Verband der Zuckerindustrie die Kontingentierung vereinbart. Jedem Betrieb wurde ein an die Fläche gekoppeltes Grundkontingent an Zuckerrüben zugewiesen. |
| Delegiertensystem |
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Am 02. Mai 1962 beschloss die Vollversammlung des Rübenbauerbundes für NÖ und Wien auf Antrag von Obmann Leopold Weiss die Einrichtung eines Delegiertensystems mit 250 Delegierten und damals 18 Sprengeln.
Weiss, 1961 als Obmann gewählt, bestellte im gleichen Jahr Helmut Kraus als Geschäftsführer und gab in Zukunft den Rübenbauernbund eine noch stärker service-orientierte Struktur. |
| Gründung der VÖR |
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Auf Initiative des Nö. Rübenbauernbundes organisierten sich im Jahr 1962 die
4 Landesverbände Niederösterreich und Wien, Oberösterreich, Burgenland und Steiermark in einer bundesweiten Dachorganisation, der Vereinigung Österreichischer Rübenbauern. |
| Gründung ZFI |
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1964 gründeten die Rübenbauernbünde und die Zuckerindustrie das Zuckerforschungsinstitut in Fuchsenbigl. |
| Verbesserung des Außenschutzes |
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1967 konnte die Zuckerwirtschaft die Installierung eines Abschöpfungssystems gegenüber dem bisher starren Zollsystem auf Zucker erreichen. Das Zucker- und Ausgleichsabgabengesetz war praktisch die Vorwegnahme einer EWG-ähnlichen Regelung. |
| EWG-Zuckermarktordnung |
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Ein Jahr später, 1968, führte die EWG eine Zuckermarktordnung ein, die als Grundlage die Mengenkontingentierung und Importabschöpfung aufwies. |
| Zuckerkrise 1974/75 |
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Die restriktive Preispolitik der sozialistischen Regierung beschwor die Zuckerkrise. Europaweit waren die Zuckerpreise angestiegen und man reagierte darauf mit Erhöhungen des Rübenpreises Eu-weit. Nicht so in Österreich, wo der sozialistische Handelsminister Josef Staribacher eine Kontingentierung der Zuckerauslieferung im Inland und die Genehmigungspflicht von Exporten vorschrieb. Zu Jahresbeginn 1975 erreichten die Spannungen ihren Höhepunkt; am 17. Jänner 1975 blockierten 300 Traktore die Zuckerauslieferung im Werk Leopoldsdorf.
Am 14. Februar 1975 wurde der Zuckerpreis um 11 % angehoben und die Regierung willigte auch in das geforderte Exportfinanzierungsmodell ein. Damit eröffneten sich den Rübenbauern zusätzliche Produktionspotentiale im Umfang von rund 10 % des Inlandzuckerverbrauches. |
| EUF reduziert Düngeaufwand |
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1983 wurde die EUF-Methode (Elektro-Ultra-Filtration) flächendeckend im gesamten österreichischen Rübenanbaugebiet angewendet und somit alle Rübenflächen in die regelmäßige Untersuchung und Beobachtung miteinbezogen. Die Anwendung der EUF-Methode trug wesentlich zur Reduzierung des Düngemitteleinsatzes bei; das Thema Umweltschutz, Boden- und Wasserschutz wurde zur Hauptaufgabe in den
80-er Jahren. Die VÖR und die Zuckerindustrie gründeten gemeinsam die Bodenlaborbetriebsgesellschaft um den Bereich Boden- und Wassergesundheit intensiv zu erforschen und den Rübenbauern richtige Verhaltensempfehlungen zu geben. |
| Agro-Zucker |
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Ab 1984 wurde das gemeinsam mit der Zuckerindustrie herausgegebene Fachblatt Agro-Zucker allen österreichischen Rübenbauern zur Verfügung gestellt. |
| Biosprit aus Rüben geplant |
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Mitte der 80-er Jahre planten Rübenbauernschaft und Zuckerindustrie gemeinsam ein Projekt zur Ethanolerzeugung aus Zuckerrüben in der Zuckerfabrik Bruck. Mit einem Investitionsaufwand von ATS 350 Mio. sollten jährlich 36 Mio. Liter Bioalkohol zur Beimischung als Bleiersatz ins Benzin hergestellt werden. Die Ethanolschiene hätte eine zusätzliche Rübenfläche von 5.000 Hektar gebunden. Das Biosprit-Projekt scheiterte an den Preisvorstellungen der Arbeitnehmerseite; die Bauern hätten die Rüben mehr oder minder gratis zur Verfügung stellen müssen. |
| Rationalisierung in der Zuckerwirtschaft |
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Österreichs Zuckerwirtschaft kam in den 80-er Jahren massiv unter Druck. Das frühere Niedrigpreisland der Zucker- und Zuckerrüben, Österreich, verlor ständig an Marktanteil, da die Kofferraumimporte ständig zunahmen. Der hohe inländische Zuckerpreis war das Resultat mehrerer Einflüsse:
- keine staatliche Exportstützung und
- teure Betriebsmittel im Vergleich zur EU
- hoch subventionierte Staatslandwirtschaft in Ungarn gepaart mit offener Grenze zu Österreich
Die amtliche Preisregelung entpuppte sich immer mehr als Absatzbremse – die Liberalisierungsforderungen des Rübenbauernbundes wurden nicht erhört. Der Betrieb von 6 Zuckerfabriken war unrentabel geworden.
Die Bemühungen der Zuckerindustrie zur Strukurbereinigung wurden in der 2. Hälfte der 80-er Jahre abgeschlossen; 1986 wurde die Zuckerfabrik Bruck und 1988 die beiden Fabriken in Enns und Siegendorf geschlossen.
Die Anpassung der Verarbeitungskapazitäten an die Marktlage war somit abgeschlossen, eine schlanke Kostenstruktur das Ergebnis. Dies war die Grundlage für die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Zuckerwirtschaft und zugleich ein wichtiger Schritt in Vorbereitung auf den EU-Beitritt.
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| Der Weg in die EU |
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Am 01. April 1989 wurden der Verbraucherpreis für Zucker in Österreich um 8,4 % und der Rübenpreis um 4,2 % gesenkt, um gegenüber der billigeren EU-Konkurrenz Terrain aufzuholen. Mit Jahresbeginn 1990 brachten die politischen Bemühungen von VÖR und Zuckerindustrie die anachronistische amtliche Preisregelung für Zucker zu Fall. VÖR und Zuckerindustrie vereinbarten in einem neuen Preisprotokoll eine Rübenpreisformel, die sich vom Fabriksabgabepreis ableitete.
Nun war der Weg frei, die Vorbereitung auf den EU-Beitritt anzugehen, der sich mit der Antragsstellung um Aufnahme Österreichs 1989 bereits konkret abzeichnete. |
| Südzucker beteiligt sich an Agrana |
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Die Agrana-Beteiligungs AG ging eine wechselseitige Beteiligung mit der Südzucker AG Mannheim-Ochsenfurt ein. Mit der Übernahme der ehemaligen ostdeutschen Zuckerindustrie wuchs der Südzuckerkonzern in der Folge zur Nummer 1 in Europas Zuckerindustrie.
1991 stockte die Südzucker AG ihr Beteiligungskapital an der
Agrana-Beteiligungs AG von 10 % auf 25 % auf.
1993 wurde die kapitalmäßige Verschränkung der beiden Unternehmen in Form eines Aktientausches zu einer gegenseitigen Beteiligung der Agrana an Südzucker mit 7,5 % und umgekehrt von Südzucker an Agrana mit 50 % vertieft. Die Verschränkung von Südzucker und Agrana wurde personell mit dem Austausch jeweils eines Vorstandsdirektors besiegelt. Der Rübenbauernbund konnte sich die Beibehaltung eines Aufsichtsratsmandats erhandeln. |
| Individuelle Bezahlung ab 1991 |
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Mit der Umstellung der Bezahlungsgrundlage vom österreichweiten Digestionsdurchschnitt auf den einzelbetrieblichen Zuckergehalt wurde eine wesentliche Anpassung an die EU-Zuckermarktordnung vorgenommen. |
| Beitrittsverhandlungen Österreichs mit der EG |
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Im Februar 1993 setzten die intensiven Beitrittsverhandlungen mit der EG ein. Wesentliche Verhandlungspunkte waren die Höhe der Zuckerquote, unsere Forderung nach einer mehrjährigen Übergangsregelung zur Anpassung des Preisgefälles und die gewünschte Beibehaltung des dezentralen Rübenübernahmesystems.
Als Bemessungsgrundlage für die Quotenzuteilung wurde die Haushaltsneutralität zugrunde gelegt. Dies bedeutete gegenüber den vorangegangenen EU-Beitritten eine Verschlechterung; andererseits berücksichtigte diese Berechnungsmethode bereits die sich abzeichnenden Ergebnisse der GATT- Uruquay –Runde.
Die Bemühungen der heimischen Zuckerwirtschaft und der österreichischen
EG-Verhandler, die früheren Kriterien zur Berechnung der Quotenhöhe heranzuziehen, scheiterten.
Schließlich nahm das österreichische Verhandlungsteam am 01. März 1994 vom Brüsseler Beitrittsmarathon eine Gesamtzuckerquote von 390.410 Tonnen Weißzucker mit nach Hause. Die 316.529 Tonnen A-Quote entsprachen einem Plus von rund 10 % gegenüber den bisherigen österreichischen A-Zuckerkontingenten. Die B-Zuckerquote Österreichs betrug 73.881 Tonnen. |
| Ankauf und Restrukturierung des Rübenübernahmesystems |
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Die Beibehaltung des dezentralen Rübenübernahmesystems wurde im Rahmen der Beitrittsverhandlungen vereinbart. In einem weiteren Verhandlungsschritt konnte erreicht werden, dass die Rübenbauernschaft das dezentrale Rübenübernahmesystem mit Hilfe von Fördermitteln in der Höhe von ATS 320 Mio. ankaufen konnte; Voraussetzung für die Gewährung dieser Fördermittel war jedoch die Senkung der Anzahl der Rübenlagerplätze auf 54. Agrana und VÖR einigten sich darauf, die Kosten für den laufenden Betrieb des Übernahmesystems je zur Hälfte zu tragen. |
| Branchenvereinbarung |
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Im Herbst 1994 einigten sich VÖR und Agrana auf den Inhalt der ersten Branchenvereinbarung im Rahmen der EU-Zuckermarktordnung, die ab der Ernte 1995 in Kraft trat. |
| Rübenbauernbund für NÖ und Wien feiert 90 Jahre |
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Im Jahr 1995 feierte der Rübenbauernbund für NÖ und Wien seinen 90. Geburtstag.
Der Rübenbauernbund für NÖ und Wien zählt zu den ältesten bäuerlichen Interessensvertretungen in Österreich und erfreut sich trotz seines Alters bester Gesundheit. |
| Mechanisierung der Rübenproduktion |
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Die Zuckerrübe wurde in den letzten 10 Jahren zur handarbeitslosen Kultur; Rübenhacke und Vereinzeln gehören der Vergangenheit an.
Ständig steigender Kostendruck und fehlende Arbeitskräfte forcierten den Einsatz überbetrieblicher Einrichtungen. Besonders deutlich wird das im Bereich der Rübenernte sichtbar. Der Einsatz von überbetrieblichen Rübenerntemaschinen beträgt heute in Oberösterreich fast 90 %, im österreichischen Durchschnitt liegen wir bei ca. 50 % der geernteten Flächen. Diese Form der Rübenernte lässt den einstigen Arbeitsaufwand der Rübenernte nicht annähernd erahnen.
Die Ausgliederung der anderen kapital- und zeitintensiven Arbeiten im Rübenbau zeichnet sich zunehmend ab. |
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